Digitaler Produktpass: Standardisierung als Schlüssel zum Erfolg
Artikel 07/26
Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sehen sich mit der Herausforderung konfrontiert, neue gesetzliche Vorgaben zu erfüllen und digitale Technologien sinnvoll in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Oft sind wichtige Unternehmensdaten jedoch noch in verschiedenen Systemen und Abteilungen verteilt.
Dieser Beitrag erläutert, wie ein „digitaler Steckbrief“ dabei helfen kann, Informationen besser zu strukturieren, die Anforderungen des kommenden Digitalen Produktpasses zu erfüllen – eine Art digitaler Lebenslauf für Produkte – und gleichzeitig eine Basis für erste KI-Anwendungen zu schaffen.
DPP 2027: Datenchaos als Hürde
Ab Februar 2027 wird der sogenannte Digitale Produktpass (DPP) auf europäischer Ebene schrittweise zur Pflicht – beginnend mit bestimmten Batterien. Das bedeutet, dass produzierende Unternehmen nachvollziehbar dokumentieren müssen, woraus ihre Produkte bestehen und welche Nachhaltigkeitskennzahlen sie aufweisen. In der Praxis liegen diese Informationen jedoch oft verstreut in unterschiedlichen Systemen vor, beispielsweise im Einkauf, in der Produktion oder bei externen Lieferanten. Diese Daten manuell zusammenzuführen, erfordert viel Zeit und ist fehleranfällig.
Asset Administration Shell: Der digitale Steckbrief für den DPP
Um diese Herausforderung zu bewältigen, wurde der technische Ansatz der „Asset Administration Shell“ (AAS) entwickelt. Sie funktioniert im Grunde wie ein standardisierter, digitaler Aktenordner für ein Produkt oder eine Maschine. In diesem Format werden alle relevanten Informationen wie technische Eigenschaften, Betriebszustände oder Umweltwerte an einem Ort strukturiert abgebildet. Der entscheidende Vorteil liegt in der Maschinenlesbarkeit: Unterschiedliche Computersysteme können die Daten automatisiert erkennen und austauschen. Dadurch lässt sich die Erstellung und Pflege des digitalen Produktpasses deutlich effizienter gestalten.
Sobald Unternehmensdaten in einer standardisierten Form vorliegen, entfällt ein großer Teil der fehleranfälligen Handarbeit. Ein Beispiel aus der Praxis: Anstatt Informationen zu einem Produkt oder Bauteil mühsam per Hand aus einer Excel-Tabelle oder dem Konstruktionsprogramm in das Warenwirtschaftssystem (ERP) einzugeben, können die verschiedenen Systeme im Unternehmen direkt auf den digitalen Steckbrief zugreifen. Konstruktion, Einkauf und Produktion arbeiten so automatisch mit derselben, stets aktuellen Datenbasis. Das manuelle Ein- und Übertragen von Daten ist nicht mehr notwendig. Diese nahtlose Kommunikation zwischen den Abteilungen spart nicht nur enorm viel Zeit und reduziert Fehler, sondern bildet gleichzeitig die ideale Grundlage, um Künstliche Intelligenz (KI) zukünftig zuverlässig im Betrieb einzusetzen.
AAS im Mittelstand: Standardisierung ohne großen Aufwand
Die branchenübergreifend steigende Nutzung zeigt, dass die Asset Administration Shell kein reines Theorieprojekt mehr ist. Große Forschungseinrichtungen wie die Fraunhofer-Gesellschaft sowie Netzwerke wie die Industrial Digital Twin Association (IDTA) treiben den Standard auf breiter Ebene voran. Doch die Technologie ist auch regional im Mittelstand längst angekommen. So bietet beispielsweise ein saarländisches IT-Unternehmen bereits konkrete Software-Werkzeuge an, mit denen Betriebe ihre digitalen Produktpässe praktisch und übersichtlich erstellen können.
Und nicht nur große Akteure setzen auf dieses Format: Auch am ZeMA wird die AAS bereits intensiv bei der standardisierten Datennutzung eingesetzt, beispielsweise bei Simulationen, der Konzeption neuer Anlagen oder für umfassende Sicherheitschecks (Security). Solche Entwicklungen zeigen, dass der Einstieg in die strukturierte Datennutzung für KMU heute mit greifbaren Werkzeugen und überschaubarem Aufwand umsetzbar ist.
Zukunftssicher mit strukturierten Daten: DPP, Zeitersparnis & KI
Langfristig profitieren kleine und mittlere Unternehmen gleich mehrfach von strukturierten Daten. Einerseits erfüllen sie damit künftige gesetzliche Vorgaben, wie den Digitalen Produktpass, verlässlich. Andererseits sparen sie im Arbeitsalltag Zeit, da das manuelle Suchen und Zusammentragen von Informationen entfällt. Gleichzeitig schaffen sie eine solide Basis, um zukunftssicher zu bleiben und später KI-Lösungen reibungslos in den Betrieb zu integrieren. Für den Einstieg empfiehlt es sich, nicht gleich die gesamte IT umzubauen, sondern die eigenen Daten schrittweise in kleinen, gut umsetzbaren Pilotprojekten zu strukturieren.
Fazit
- Der Digitale Produktpass wird in den kommenden Jahren schrittweise zur gesetzlichen Pflicht.
- Ein digitaler Steckbrief (AAS) hilft dabei, verteilte Informationen zu bündeln und für IT-Systeme lesbar zu machen.
- Standardisierte Datenstrukturen sind eine wesentliche Voraussetzung, um Künstliche Intelligenz sinnvoll einzusetzen.
- KMU können sich durch schrittweise Pilotprojekte ohne übermäßigen Aufwand an diese technologischen Entwicklungen anpassen.
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